Cholesterinsenker – einnehmen oder absetzen?

Als Heilpraktiker erlebe ich täglich, dass Patienten Medikamente streng nach Leitlinien verschrieben bekommen. Der Fall ist kompliziert, es werden unzählige Untersuchungen durchgeführt – und am Ende beginnt der Patient dennoch eine Kortisontherapie. Das hätte ich schon sofort am Anfang der Geschichte sagen können. Oder die typischen Herzmedikamente, die jeder bekommt, der einen Bluthochdruck hat, oder eben den Cholesterinsenker (Statine), den jeder sofort verschrieben bekommt, sobald der Cholesterinwert (insbesondere der LDL-Wert) erhöht ist.

Wie gehe ich damit um?

In der Regel mische ich mich da nicht ein, sondern therapiere das Gesamtgeschehen. Die Naturheilkunde braucht Zeit, aber nach einer Weile wirkt sie, und dann können bestimmte Medikamente langsam abgesetzt werden. Also warum einen Konflikt erzeugen und dem Patienten Druck machen?

Im Falle von Statinen bin ich jedoch etwas forscher und informiere so, dass der Patient eine Wahl hat und die Entscheidung, einen Cholesterinsenker abzusetzen oder weiter einzunehmen, noch einmal überdenkt. Merke ich, dass der Patient sich bereits für die Einnahme entschieden hat und das Thema ruhen lassen möchte, halte ich mich zurück. Es ist seine Entscheidung und sein Leben.

Anders war es in einem Fall, in dem mich eine befreundete Person um Rat bat, ob sie Statine absetzen sollte oder nicht. Er hatte vor drei Jahren einen Herzinfarkt und fühlte sich wieder völlig fit (alle Laborwerte waren gut). In diesem Fall war ein freundschaftlicher Rat ebenso gefragt wie meine Kompetenz als Heilpraktiker. Ich musste meine übliche Zurückhaltung in der Praxis verlassen und frei sowie aufrichtig antworten. Trotzdem wollte ich eine gewisse Neutralität bewahren, sodass er den Raum behielt, alle Seiten zu sehen und selbst zu entscheiden. Das war für mich die Inspiration, diesen Artikel zu schreiben. 

Wirksamkeit von Statinen bezüglich Herz-Kreislauf-Risiko

Solche Schlussfolgerungen werden in der Medizin über große Studien gewonnen. Im besten Fall ist dies ein großartiges Werkzeug, das Ärzten und Therapeuten Orientierung geben kann.
Leider hat sich in vielen dieser kostspieligen Studien schon lange Lug und Trug eingeschlichen. – und das nachweislich. Vieles kann innerhalb einer Studie geschickt verschoben, kombiniert oder ausgeblendet werden. So kann es beispielsweise sein, dass die Schlaganfallrate sinkt, während die Zahl der Herzinfarkte steigt – ohne dass Letzteres in der Bewertung angemessen berücksichtigt wird. In diesem Sinne sind auch die Studien zu Cholesterinsenkern nicht eindeutig und werden sehr unterschiedlich interpretiert.

Daher möchte ich das Thema grob umreißen und in drei Gruppen einteilen:

  • Die absolute Mehrheit der Ärzte ist von Statinen überzeugt und verschreibt sie leitliniengerecht.
  • Ein kleiner Teil der Ärzte – meist jene, die versuchen, mehr Ganzheitlichkeit in ihre Praxis zu integrieren – sieht die Statintherapie kritisch. In Vorträgen analysieren sie bekannte Studien und kommen zu dem Schluss, dass Statine bei Patienten mit erhöhtem LDL-Wert in der Primärprävention (z. B. Herzinfarktvermeidung) keinen Nutzen bringen oder das Risiko sogar vergrößern können. In der Sekundärprävention, also bei Patienten mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, sehen sie einen begrenzten Nutzen, da das Risiko leicht reduziert werden kann. Den Nebenwirkungsreichtum von Statinen bestätigen sie ausdrücklich.
  • Als Drittes gibt es Therapeuten wie meinen Lehrer Klaus Krämer (50 Jahre erfolgreiche Praxis) und vermutlich vereinzelt auch Ärzte, die die Statintherapie vollständig ablehnen. Klaus Krämer hat eindringlich vor der Einnahme von Statinen gewarnt. Sie greifen tief in den Stoffwechsel ein, überschreiten die Blut-Hirn-Schranke und können unter anderem kognitive Veränderungen bis hin zu Demenz begünstigen. Auch ich würde mich dieser Haltung zuordnen, wenn man mich nach meiner ehrlichen Meinung fragt. Die Nebenwirkungen kenne ich nicht nur aus der Fachliteratur, sondern aus zahlreichen Patientenberichten.
Der entscheidende Punkt:

Letztlich weiß niemand mit Sicherheit, wie es wirklich ist.

Auch wenn ich von meiner Meinung überzeugt bin, muss ich zugeben, dass ich es nicht endgültig weiß. Genauso wenig weiß es der Arzt, der Statine befürwortet. Das ist ein wichtiger Punkt, den sich die betreffende Person, die vor der Entscheidung steht, vor Augen führen sollte. Es gibt sicherlich viele medizinische Fälle, da der nächste Schritt ziemlich eindeutig ist. Doch beim Thema Statine bewegen wir uns in einem hochkomplexen Geschehen, das sich mit unserem Detailwissen nicht vollständig überblicken lässt. Auch eine spätere Demenzerkrankung bei langjähriger Statineinnahme lässt sich weder eindeutig ihrer zuschreiben noch kann der Zusammenhang sicher ausgeschlossen werden.

Egal welchen Weg du gehst – ein Risiko bleibt immer.

Das war der erste Rat, den ich gegeben habe. Es ist wichtig sich das klarzumachen. Denn dann kommt es zum nächsten entscheidenden Punkt:

Wer übernimmt das Risiko?

Du trägst das Risiko, dass einer dieser Wege das versprochene Ergebnis nicht einhält und du leider früher stirbst. Der Heilpraktiker sowie der Arzt sterben zwar nicht haben aber ebenso ein Risiko. Sie können beschuldigt bzw. angeklagt werden, um es trocken auszudrücken. Natürlich können sie auch mitleiden, da es ihnen leid tut, um es mal menschlicher auszudrücken.

Vom Risiko zur Verantwortung:

In allen Richtungen also Risiko. Aber welche Entscheidung du triffst, dazu solltest du die Verantwortung übernehmen.

Was nützt es dir, Verantwortung abzugeben, wenn am Ende du die Konsequenzen trägst – und nicht die Experten, die mit dir sogar noch Geld verdient haben? Die ganze Welt kann dir applaudieren, da du so klug bist und den schulmedizinischen, etablierten Weg gehst, der anerkannt, wissenschaftlich geprüft ist – aber am Ende geht es schief und du stirbst, nicht die anderen. Genauso, wenn du von deinen nächsten Freunden Komplimente bekommst, da du mutig bist und einen alternativen Weg mit dem Heilpraktiker gehst …

Übernimmst du die Verantwortung?

Leicht gesagt, oder? Gemeint ist damit: mit offenen Augen. Du lässt dir Zeit, alle Seiten zu sehen, fragst verschiedene Experten, du benutzt deinen gesunden Menschenverstand in Momenten, in denen dein Geist nicht von Angst und Sorge hin- und hergeworfen wird, und triffst die Entscheidung am Ende ganz aus dir heraus – ohne Druck, ohne jemandem etwas beweisen zu müssen. Ein solcher Prozess lässt einen auch aufrecht und zuversichtlich die ersten Schritte des Weges gehen und trägt ebenso zu Wohlgefühl und Gesundung bei.

Übernimmt ein Arzt oder Therapeut wirklich Verantwortung für dein Leben?

Ich beantworte es erst einmal kurz: Niemand übernimmt Verantwortung für dich. Zumindest nicht bei solchen Entscheidungen, bei denen es um die Wurst geht. Das ist der zentrale Punkt – nicht nur zu diesem Thema (Statine oder nicht), sondern er spielt in so vielen Bereichen die entscheidende Rolle.
Hat man das verinnerlicht, kann es viel Klarheit und entsprechend bessere Entscheidungen bringen.

Ich möchte es verdeutlichen:


Ich habe mir so oft Gedanken über Ärzte gemacht, warum sie so oder so handeln. Natürlich gibt es schnelle Antworten wie: mehr Geld verdienen, Förderung durch die Pharma, Karriere machen und daher der Marschrichtung folgen, … lassen wir das mal weg und versetzen uns einfach in das Berufsleben eines Arztes, der offensichtlich im Krankenhausbetrieb eher mit Überforderung zu kämpfen hat als mit Müßiggang und Kontemplation. Bei der großen Anzahl von Patienten, einer gewissen Anonymität im Vergleich zu einer Naturheilpraxis und vielen lebensbedrohlichen Fällen – ist er da nicht stark der Gefahr ausgesetzt, angeklagt zu werden? Selbst wenn er in seinen Fällen keine Schuld für die Verschlechterung oder den Tod trägt, hat er mit diesen Bedrohungen über die Jahre hinweg regelmäßig zu tun. Nicht zu schweigen vom Druck aus seinem eigenen Berufsstand. Er hat die Leitlinien zu befolgen und es gibt institutionelle Vorgaben, ob er es gut findet oder nicht.
Stirbt jemand frühzeitig, schaut man in seine Akten und sieht z.B. den hohen Cholesterinwert, aber keinerlei Verordnung von Statinen. Er kann seine Stellung dadurch verlieren. Soll er das wirklich riskieren? Würdest du es riskieren? Auf der anderen Seite siehst du doch, wie vielen Menschen du täglich hilfst – und dann sollst du hier und da den Helden spielen und gegen die Leitlinien agieren?

Deswegen macht es aus meiner Meinung so einen großen Unterschied, wenn man den Arzt, die Ärztin ganz persönlich einmal Auge in Auge fragt: Was würden Sie denn machen, wenn es Ihr Papa, Ihre Mama, Ihre Tochter ist? Die Antworten sind erstaunlich.
Ärzte übernehmen nicht die Verantwortung für dein Leben. Ich habe so lange gebraucht zu verstehen, dass Ärzte tendenziell zu viele Medikamente verschreiben und warum das so ist. Eben genau aus dem besagten Grund.

Wenn jemand an Bluthochdruck stirbt und bei Prüfung der Patientenakte herauskommt, dass trotz EKGs und anderen Befunden kein Betablocker bzw. entsprechendes Medikament gegeben wurde, dann hat der leitende Arzt ein Problem. Hat er aber viel zu viel verschrieben und der Patient stirbt frühzeitig, da das Herz von den Medikamenten zu sehr gedrosselt wird, dann ist alles ok. Niemand kann dem Arzt etwas anhaben. Was auch immer er falsch gemacht hat – am Ende kann man nur sagen: “Sein oder ihr Herz war doch zu schwach. Es wollte nicht mehr. Herzliches Beileid.” Keiner kann wissen, was wirklich war, und jeder kann damit weiterleben.

Liebe Leser, schaut euch dieses Phänomen bitte genauer an. Es geht nicht um „den bösen Arzt“. Er ist überhaupt nicht böse und macht auch nichts absichtlich.

Aber ein Tod aufgrund eines Bluthochdrucks, der vom Arzt nicht mit den nötigen Medikamenten versehen wurde, würde den Arzt ruinieren.
Ich habe es vielfach erlebt, dass viele alte Menschen mit Herzkrankheiten und entsprechender Betablocker-Einnahme, haben überwiegend mit niedrigem Blutdruck, Schwindel und Schwäche zu kämpfen, sodass sie regelmäßig hinfallen, als mit den Problemen des Bluthochdrucks. Ich bin sogar der Meinung, dass viele aufgrund zu hoher Medikamentengabe verfrüht sterben (und ich bin nicht grundsätzlich gegen Betablocker).

Jetzt zum Heilpraktiker: Er begleitet in der Regel einen solchen Herzpatienten. Mal angenommen, der Gesamtzustand bessert sich und das eine oder andere Medikament kann langsam weggelassen werden. Ja, sogar aufgrund des Weglassens gibt es einen weiteren Schub Richtung Gesundung. Angenommen, er hilft auf diese Weise hunderten Patienten.
Aber bei einem geht es schief: Er stirbt an einem Herzinfarkt. Die Angehörigen, ohnehin skeptisch gegenüber der Kräutertherapie, zeigen den Heilpraktiker an, da sich in den Unterlagen eine Empfehlung zur Absetzung der Betablocker findet. Den vielen weiteren Patienten, denen er in den kommenden Jahren zu einem besseren und längeren Leben hätte verhelfen können, wird er nach diesem Vorfall nicht mehr helfen können.

Selbst wenn er unschuldig wäre und seine Therapie den Herzinfarkt um Jahre hinausgezögert hätte, ließe sich das nie klären – der Vorwurf bliebe dennoch bei ihm.

Dieses hypothetische Beispiel zeigt, dass auch der Heilpraktiker nicht die Verantwortung für den Patienten übernehmen kann, wie er sie für sich selbst tragen könnte.

Wie steht es mit Freunden und Familie?

Natürlich habe ich es etwas zu absolut ausgedrückt mit ‚keiner übernimmt Verantwortung für dich‘. Es gibt sehr gute Freunde, doch selbst dort ist es selten, dass jemand die volle Verantwortung für dich trägt – in Rat und Tat. Am ehesten findet man das in der eigenen Familie: Dort traut man sich nicht nur, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, sondern geht, wenn Liebe da ist, über die eigenen Grenzen hinaus.

Aber jetzt kommt der „Killer“:

„Stell dir vor, ich bin am Ende am Tod meiner Mama schuld. Damit werde ich nie fertig.“
„Ich rate meinem Papa von der Chemo ab, zwei Monate später stirbt er – ich werde immer ein schlechtes Gewissen haben.“

Und wie wäre es, wenn ich meiner fitten Oma vehement von Betablockern abrate, sie liebevoll mit Kräutern behandle – und sie stirbt plötzlich an einem Schlaganfall?Wow. Das ist ein Paket. Hast du nicht auch Angst davor, lieber Leser?

Ich habe es so oft während der Coronazeit gehört: „Ich will nicht für den Tod meiner Oma verantwortlich sein.“ Alles, um dieses schlechte Gewissen nicht zu haben und die Urteile der anderen zu vermeiden. Total verständlich, denke ich. Aber auch irgendwie egoistisch, denke ich im nächsten Moment. Am Ende geht es dir um dich selbst und nicht uneigennützig um den anderen. Ich will es nicht verurteilen – mag ich ja auch selbst damit gemeint sein.
Ich möchte es nur schlussendlich zum Thema „Verantwortung“ vor Augen führen.

Möglicher Mittelweg:

Es gibt so etwas wie einen Mittelweg für die ersten Schritte. Indem Sie auf dem schulmedizinischen Weg erstmal bleiben und einfach etwas tiefer in die Diagnostikkiste greifen. Sie nutzen schlichtweg die neueren Erkenntnisse, die noch nicht in den Leitlinien bzw. den Arztpraxen im praktischen Sinne angekommen sind. Laborwerte, die sie zwar zusätzlich etwas kosten, die aber eine realistische Risikoeinschätzung geben können, die der isoliert betrachtete LDL-Wert nicht bieten kann.
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