Blutarmut – Eisenmangel – Anämie

Laut Statistik ist der Eisenmangel die häufigste Mangelerscheinung beim Menschen. Es ist in fast allen Fällen die Ursache für Blutarmut, sprich Anämie. Ca. 2 Milliarden Menschen leiden an Eisenmangel. Grund genug dieses Thema näher unter die Lupe zu nehmen. Hinzu kommt, dass es in einer Zeit auftritt, in der die westliche Welt eine Vielfalt an Nahrungsangeboten hat wie noch nie in der Menschheitsgeschichte. Der Fleischverzehr steigert sich weltweit von Jahr zu Jahr. Insgesamt gab es wohl noch nie in der Menschheitsgeschichte so einen hohen Fleischkonsum. Und hier geht es um das eisenhaltigste Nahrungsmittel, das wir haben. Für die Jüngeren unter uns ist es kaum mehr vorstellbar, dass es für die Urgroßmütter und -Väter sehr einfache eintönige Kost im Winter gab. Kartoffel war die Hauptmahlzeit und ein Kompott Sonntags als Süßspeise. Oder dass es auch mal eine Missernte gab, und es dann ganz schwierig wurde, so dass es auch zu Auswanderungen eines kompletten Dorfes kam. Bevor wir diesem Paradoxon näher auf den Grund gehen, schauen wir uns an, welche Aufgaben das Eisen in unserem Organismus hat und wie sich ein Mangel auswirkt.

Definition von Blutarmut:

In der Blutuntersuchung liegt eine Verminderung der Erythrozyten Zahl und oder des Hämoglobins und Hämotokrits vor. Wir befassen uns in diesem Artikel ausschließlich mit der Eisenmangel Anämie. In fast allen Fällen geht es um Eisenmangel und überwiegend sind Frauen davon betroffen. Seltene Formen der Blutarmut sind zB. die Sichelzell- und Kugelzellanämie, wo es um eine veränderte Form des Erythrozyten geht. Da die Anämie meist keine eigenständige Krankheit ist, sondern eine Folgeerkrankung gibt es Infekt Anämie, Tumor Anämie, renale Anämie (Niere) usw.

Symptome:

Die Symptomatik ist überwiegend allgemeiner Natur und nicht immer leicht einzuordnen. So zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche und depressive Neigungen zu den Hauptbeschwerden. Rissige und trockene Mundwinkel, blasse Schleimhäute wie typischerweise die Blässe der Innenseite des Augenunterlides, sowie die Handseiten Innenflächen, sind dann schon etwas spezifischer und können Hinweise auf Eisenmangel geben. Die Symptome des Eisenmangels sind überwiegend durch den damit verbundenen Sauerstoffmangel bedingt. Die Personen neigen zu Herzklopfen und schon bei geringer Anstrengung zu Atemnot. Trotz Blutarmut sollen die Zellen ausreichend mit Sauerstoff ernährt werden, und somit schlägt das Herz schneller.

Wozu Eisen?

Unsere roten Blutkörperchen, das sogenannte Hämoglobin, besteht aus einem Eiweissanteil (Globin) und dem eisenhaltigen Häm. Durch den Eisenanteil kann der Sauerstoff im Hämoglobin transportiert werden. Dies nimmt es in der Lunge auf und wird schließlich an die Zellen im Gewebe abgegeben. Auch im Myoglobin kommt Eisen seiner Funktion als Sauerstoffbinder nach.

Eisenverteilung im Körper:

Das meiste Eisen befindet sich in den Erythrozyten, ca. 75 %. 20 % des Gesamteisens befindet sich im Gewebe bzw. in den Zellen. 5 % im Myoglobin. Eisenspeicher des Körpers sind die Leber, das Knochenmark und das Monozyten- Makrophagen-System.

Therapie:

Scheint eine klare Sachlage zu sein. Zu wenig an Eisen, also vermehrt Eisen zufügen. Betrachten wir im folgenden die Bedeutung des Eisens für unseren Organismus sowie die Stoffwechsel Vorgänge, die damit zusammenhängen, so wird es hoffentlich für jeden der verehrten Leser offensichtlich, welch ein unsinniges Vorgehen es doch ist, wenn es generalisiert so geschieht.

Passt ein ganzer Ozean in einen Eimer, der ein Loch hat?

Diese Frage habe ich einmal in einem anderen Zusammenhang gehört und die unbestreitbare Antwort „Ja“ erstaunte mich erstmal. Es ging um das Glück, welches wir nicht imstande sind zu halten, wenn wir uns nicht des uns innewohnenden wahren Glückes bewusst sind. Es entgleitet uns und wir jagen dem neuen Glück hinterher und immer haben wir das Gefühl mit leeren Händen dazustehen. Bedienen wir uns dieses Bildes im Zusammenhang mit der Eisenaufnahme. De facto nehmen wir von den täglichen 10–15 mg Eisen aus der Nahrung nur durchschnittlich 1 mg auf (mehr brauchen wir nicht). Bei den aller meisten, die mit einer Blutarmut diagnostiziert wurden, liegt der Grund nicht in einer zu geringen Aufnahme von Eisen, sondern in der Fähigkeit es umzuwandeln. Ausnahmen sind ein zu hoher Blutverlust bei Unfällen und zu starker Menstruationsblutung.
Wie erreichen wir die ca. 1 mg?
In seiner freien Form liegt es hauptsächlich in seiner dreiwertigen Form in der Nahrung vor und kann so nicht aufgenommen werden. Erst in zweiwertiger Form wird es zu Bluteisen. Dieser entscheidende Schritt hängt von einer ausreichenden Enzymatik im Magen ab in Form der Salzsäure Bildung (HCL). Deswegen ist es viel wichtiger, analog zur Bleichsucht (Anämie) des Menschen, das Eisen wieder flott zu machen über eine verbesserte HCL Produktion. Die Menge des Eisens fällt weniger ins Gewicht. Eine schwache Enzymatik ist das Loch im Eimer. Das Eisen kann nicht aufgenommen werden und hat somit keinen Wert. Konkreter gesagt: die Grundproblematik wird bei der Gabe von Eisentabletten nicht in geringster Weise angesprochen. Das Gefäß (sprich der Körper) wird zudem gehörig durch das Eisen belastet. Eisen ist in freier Form ziemlich toxisch für unsere Zellen. Darum hat der Organismus feinste aufeinander abgestimmte Systeme entwickelt, mit einem zu viel oder zuwenig an Eisen umzugehen. Besonders mit einem zu wenig, denn er hat nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten Eisen auszuscheiden. Mit der Erfindung von Eisentabletten hatte er nicht gerechnet und ist daher recht unvorbereitet. Indes hat er hoch komplizierte Mechanismen entwickelt, das Eisen hin und herzuschieben und in verschiedene Formen umzuwandeln. Das Ferritin (Speicherform) ist einer der wichtigsten Werkzeuge. Ein zu geringer Wert des freien Eisens bedeutet noch lange nicht ein zu wenig an Eisen im Organismus. Bei Infektionen, die auch unbemerkt ablaufen können, sinkt typischerweise das Eisen im Blut und das Speichereisen steigt. Es wird vor allem von den Makrophagen festgehalten, die wir für die Abwehr benötigen. Bei weiterer Überladung von Eisen und ein genug an Ferritin wird es in Hämosiderin gespeichert. Ein weiterer Labor Parameter, der aber seltener von Relevanz ist für die Diagnostik. Wichtiger ist die Transferrinsättigung (TfS).

Diagnose über die Blutuntersuchung (die drei wichtigsten):

Die Bestimmung von Ferrum genügt alleine nicht. Es bedürfen die beiden anderen. Zusätzlich kann die Eiweißelektrophorese weiteren Aufschluss geben (im Blutausstrich sind die Erythrozyten klein und blass)
Akute Infektionen können zu einem starkem Abfall des freien Eisens führen, ohne dass ein Eisenmangel besteht. Daher ist das Verhältnis dieser Dreien wichtig, um sich ein Bild zu machen.

Zurück zu den körpereigenen Regulationssystemen:
Da der Organismus nicht in der Lage ist größere Mengen an Eisen auszuscheiden, erfolgt die Steuerung der Resorption (Aufnahme) im Dünndarm. Und fortan wird es immer komplexer, und wir sind noch nicht so weit es im Ganzen zu verstehen. Das Knochenmark spielt wohl eine große Rolle in der Feinabstimmung des Eisenspiegels, indem es über Signalmoleküle einen höheren oder niedrigeren Bedarf an Eisen dem Darm meldet. Diese kurze Abhandlung soll nur eine Ahnung davon geben, wie komplex und raffiniert die Feinabstimmung des Eisenhaushaltes ist. Und dieses feine Konstrukt bewerfen wir mit Eisenbomben. Zu solcherlei Vorgehen sagte die Endokrinologin Ingrid Mühlhauser sehr treffend:

„Es gibt keinen Grund, im Körper herumzupfuschen.“

Ein niedriger Eisenwert kann unsere Gesundheit fördern.

Gehen wir noch einen Schritt weiter, um unsere eindimensionale Denkweise zu verdeutlichen, und die zitierte Aussage weiter zu unterstreichen. Erweitern wir unseren Blick also, indem wir uns als ein Ökosystem betrachten. Wir leben nicht nur in einem, sondern sind selbst eins. In einem Gramm Kot sind mehr Bakterien als Menschen auf der Erde, so der heutige wissenschaftliche Stand. Diese Tatsache reicht schon, um uns als Ökosystem zu etablieren und bedarf keiner weiteren Argumente. 99% der Mikroorganismen, die mit uns zusammenleben, befinden sich im Darm. Unsere Darmmikrobiota wiegt bis zu 2 Kilo. Ups, diese unfassbare Anzahl an Bakterien hatten wir ja noch keineswegs mit eingeschlossen in unsere Überlegungen zum Eisenstoffwechsel. Obwohl sie uns ständig auf der Pelle hängen, denken wir ja auch nie an sie. „Die Steuerung der Resorption des Eisens erfolgt im Dünndarm“, das hatten wir schon festgestellt. Und da sollten 2 kg an Bakterien nicht im Zwiegespräch sein? Das wäre höchst verwunderlich. Seit ca. 300 000 Jahren haben sie die Kunst der Kommunikation in unserem Darm geübt. Wir haben uns erst vor kurzem, in der Antike, darin geübt. Unsere Schulung war wohl zu kurz, und wir haben das meiste schon wieder vergessen und beschränken uns mehr und mehr auf Satzphrasen und Smileys. Sie hatten schon 65 Millionen Jahre ein Vorstudium im Darm der Primaten (Affen sind eine Gruppe der Primaten). Genau wie bei uns, spielt das Eisen eine entscheidende Rolle für das Wachstum und Gedeihen der Bakterien. Irgendwie haben wir es geschafft eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit dieser unvorstellbar großen Übermacht an Mikroben zu entwickeln und beizubehalten; und das über diese enorme Zeitspanne hinweg. Wir leben! Eine Regulierung über bestimmte unerwünschte Bakteriengruppen läuft über den Entzug des lebenswichtigen Eisens ab, so glaubt man es nach heutigem Stand. Regulierungen geschehen über eine gedrosselte Aufnahme des Eisens aus der Nahrung. Eisen wird als Speichereisen (Ferritin) eingebaut und wahrscheinlich über andere Mechanismen, die wir noch gar nicht kennen. Über den Zusammenhang Infektion und Eisen wissen wir schon mehr. Ein erhöhter Eisengehalt im Blut erhöht die Entzündungs- und Infektanfälligkeit. Es begünstigt Erkrankungen wie Gicht und Rheuma. Es gibt mittlerweile die Überlegung, dass dies mit ein Grund ist, für einen in den meisten Fällen niedrigen Eisengehalt bei Schwangeren. Dies senkt eben die Infektionsgefahr in der Schwangerschaft. Ist die Fortpflanzung nicht der zentrale Punkt für den Organismus, für dessen Gewährleistung er sich seit ca. 300 000 Jahren schult und weiterentwickelt? Ein anderer ganz einfacher Grund ist, dass der Eisengehalt natürlicherweise (physiologisch) sinkt, da die werdende Mutter ein erhöhtes Blutvolumen (1.5 fach) bekommt, das Eisen aber potential gleich bleibt. Wir hingegen schauen uns mit intelligenter Miene den Laborwert an und wollen es besser wissen.

Zur Erinnerung: wir betrachten hier nicht Extremfälle, die mit Eisen substituiert werden, sondern um Menschen mit einer Allgemein Symptomatik wie Müdigkeit. Die jährlich enorm hohen Eisentabletten Verschreibungen betreffen größtenteils diesen Typus Patienten. Bei Schwangeren gehört es zum Standard, Eisentabletten zu verschreiben. Interessant ist diesbezüglich auch die Tatsache, dass der Vertrieb von Eisen Präparaten weltweit rasant steigt. Weltmarktführer Vifor Pharma machte in der Schweiz 2016 allein mit intravenösen Mitteln 44 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahr.
Indem ich Elefanten in einen fragilen Porzellanladen als Firmenberater schicke, fördere ich nicht unbedingt das Florieren des Geschäftes. So ein Handeln blockiert in vielen Fällen die Selbstregulierungen, sprich Selbstheilung des Organismus, um es wieder sachlicher auszudrücken. Ich hoffe es ist verständlich geworden, was die gewählte Überschrift dieses Abschnittes ausdrücken soll.

Grundpfeiler einer ganzheitlichen Therapie:

  • Ernährung
  • Lifestyle
  • Kräutertherapie

Ernährung:

Was an erster Stelle steht, um die Blutbildung sprich den Eisenstoffwechsel zu verbessern, ist für den aufmerksamen Leser so klar wie Kloßbrühe: Regelmäßiger Einbau von eisenhaltigen Gemüsesorten in die Ernährung, bzw. Fleisch aus dem Bioladen. Nein, nicht doch. Pustekuchen! Da hat jemand nicht aufgepasst. Da in den aller meisten Fällen das zu wenig an Eisen in der Nahrung nicht der Grund ist, sondern schwache Enzymatik im Magen, müssen wir eben als erstes dort ansetzen. Und das machen wir schlicht und ergreifend mit einem herzhaften Frühstück. Es gibt schlimmere Therapien, oder? Was bedeutet herzhaft? Es sollte würzig sein. Die Geschmacksrichtungen salzig, sauer, scharf und bitter regen allesamt die Salzsäure des Magens an. Etwas von dem sollte im Essen sein. Ziegenkäse, Avocado Creme mit Zitrone, Salz und Pfeffer, eine Suppe, ein klassisch zubereitetes Porridge, …. das und viele andere Leckereien bewirken dies. Nur eben das so beliebte süße Müsli nicht. Süß regt nicht an, sondern beruhigt. Gerade aufgestanden, die Sonne geht auf oder ist im Begriff dem Höhepunkt ihrer Scheinkraft sich anzunähern, das Tageswerk beginnt oder die vielen Freizeitbeschäftigungen warten auf uns, und wir nehmen gleich eine Schlaftablette ein. Das passt einfach nicht zusammen. Müsli mit Früchten kombiniert macht dann noch zusätzlich Blähungen. Der gewitzte Leser könnte jetzt wiederum sagen, die treiben doch wiederum an, also alles paletti. „Mein guter Freund. Erinnern wir uns diesbezüglich daran, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, und die Naturheilkunde auch dieses mit in Betracht zieht.“
Als zweites kommt dann die eisenreiche Ernährung. Und wenn wir dann auch noch eine bittere Komponente wie den Chicoree oder Radicchio regelmäßig dazu essen, sind das gute Voraussetzungen für die richtige Balance im Eisenhaushalt. Zu bemerken ist, dass das Eisen aus tierischen Lebensmitteln leichter für uns verwertbar ist, weil es fettlöslich ist (so zumindest die übliche Lehrmeinung).
Liste besonders eisenhaltiger Nahrungsmittel.

Lifestyle:

Bei manchen von uns kann das mehr an Bewegung sogar noch vor der vermehrten Einnahme von eisenhaltige Nahrungsmitteln stehen. Bewegung regt die Peristaltik des Darmes an (somit die Enzymatik) und erhöht zudem die Zahl der Erythrozyten. Eine Bergwanderung würde die Erythrozyten Bildung noch steigern. Wesentlich kann man sagen, dass die mental, emotionale Entspannung sehr sehr förderlich ist für eine gute Verdauung. Stress lähmt die Verdauung. Hier sind wir bei dem wohl größten Übel für die Gesundheit in der heutigen Gesellschaft angelangt:
der Stress. Nehmen wir noch die anderen Geschwister dazu: Angst, Wut, Zweifel, Habgier und einige andere, deren Namen ich gerade vergessen habe. Lebt man für einige Jahre in freundschaftlichem Verhältnis mit dieser Bagage (Lumpenpack), so versiegt nach und nach die Salzsäure Bildung im Magen. Wir unterliegen noch uralten archaischen Prinzipien. Wir wollen leben. Alles in uns schreit danach. Die Unterscheidung zwischen Gefahr und Frieden war und ist lebensnotwendig. Es funktioniert ganz einfach. Keine Gesprächsrunden mit für und wider, sondern eine Entscheidung in einem Moment zu einer dieser beiden Möglichkeiten. Das vegetative Nervensystem bleibt entweder parasympatisch oder schaltet auf den Sympathikus um. Beim ersten ist alles im grünen Bereich. Keine Gefahr, wir können chillen. Die Zeit in der die Verdauung die größte Aufmerksamkeit bekommt. Wir bekommen Appetit, können entspannt auf Toilette und andere stille Plätzchen aufsuchen, um uns ein Schäferstündchen zu gönnen. Der Sympathikus lässt uns auf der Hut sein. Adrenalin wird freigesetzt und die Lungen sowie das Herz werden besser durchblutet. Notfalls müssen wir weglaufen oder auf einen Baum klettern im Angesicht des wilden Tieres. Oder wir sitzen da und zermartern uns den Kopf über zerbrochene Beziehungen, die Macht des Mobbings ergreift, wie können wir unser Geschäft retten usw. Dann ist alle Energie in unserer holden Kokosnuss, die auf den Schultern sitzt. Diese Energie wird der Verdauung abgezogen. Keine Zeit für sinnliches. Eine häufige Ursache für eine Magenschleim Entzündung (Gastritis). Der Magen ist bestens vor der Salzsäure geschützt. Diese wird jedoch in diesen Notzeiten nicht genügend gebildet. Alles verzerrt die „eitle Kokosnuss“. Diese Entzündung bremst wiederum verstärkt die so wichtige blutbildungs fördernde Salzsäure.
Und jetzt kommt ein weiteres Absurdum: Wir leben in einer Spassgesellschaft. Noch nie hatte der Mensch, zumindest in der westlichen Welt, so viele Freizeitmöglichkeiten. Kino, Theater, Wellness Oasen, Urlaube, Ausflüge mit Auto, Zug, Flugzeuge statt Ackergaul, Musik beim Joggen oder in der Warteschlage im Kaufhaus, chatten mit einer Perle aus anderen Ländereien, … es macht richtig Spass. So viel Spass, dass wir schon gar nicht mehr den enormen Stress in uns merken. Unser archaisches Vegetativum checkt aber auch überhaupt nichts! Es denkt immer wir seien im Krieg.

Heilpflanzen Therapie – Phytotherapie:

In den meisten Fällen üben wir die größte Wirkung aus, indem wir Heilpflanzen zur innerlichen Einnahme täglich benutzen. Sie haben eine größere Reizwirkung als die Nahrungspflanzen, die wiederum stärker substituieren. Da sind wir wieder beim Hauptansatzpunkt, und dieses Mal mache ich keine Quizfrage mehr daraus. Wir möchten durch regelmäßige Gaben den Magenstoffwechsel aktivieren und verbessern. Denn nur bei genügend vorhandener Salzsäure gelingt die vollständige Aufspaltung der Eiweiße und die Umsetzung des Eisens in den Blutfarbstoff. Der Heilpflanzen Therapeut oder ayurvedische Arzt sieht sich diesbezüglich wie vor einem reich gedeckten Tisch, von dem er entspannt auswählen kann. Vornehmlich sind es Bitterstoffpflanzen, insbesondere die aromatischen Bitterstoffe, die uns hier sehr förderlich sind.

Häufig verwendet werden:

gewöhnlicher Beifuss, Liebstöckelwurzel, Oregano, Bohnenkraut, Eberrautenkraut, …
Im Löwenzahn haben wir eine Bitterstoffpflanze, die zudem noch reich an Eisen ist. Sie ist einer der eisenhaltigsten Pflanze, die wir in unseren Breitengraden haben.
Artischockenblätter: sie ist vielleicht die eisenreichste Distel und fördert über ihre Bitterstoffe die Blutbildung und regt die Gallenbildung an.
Brennessel: ist wie der Löwenzahn eine der eisenhaltigsten Pflanzen und ist zudem noch reich an Mangan, welches einen wichtige Aufgabe in der Blutbildung einnimmt.

Die Säulen eines ganzheitlichen Therapieansatzes:
  • Wir sollten an den Leberstoffwechsel denken, da Galle die eisenreichste Flüssigkeit des Körpers ist. Bildet die Leber genügend Galle, bleibt ein guter Teil der Galle übrig und wird wieder in den Leberstoffwechsel integriert und kann zur Blutbildung dem Knochenmark zugeführt werden. Das Speichereisen Ferritin wird in der Leber gebildet.
    Leberpflanzen zur verbesserten Gallebildung:
    Boldoblätter, Gelbwurz (Curcuma), Benediktendistel, Artischokenblätter, Mariendistelblätter
  • Des weiteren sollten wir die Milz therapeutisch einbeziehen. Leber und Milz stehen im engen Zusammenhang. Die Milz unternimmt unter anderem die Blutmauserung. Veraltete Erythrozyten werden aussortiert. Es entsteht der Blutfarbstoff Bilirubin. Dieser wird schließlich an einem Protein gebunden (Albumin), da es giftig ist und zur Leber transportiert. Eine gut funktionierende Milz erleichtert die Arbeit der Leber. Die Milz ist nicht nur an der Blutreinigung, sondern auch an der Blutbildung beteiligt. Die Leber wiederum gibt der Milz den Impuls zur Blutbildung. Die meisten Leberpflanzen fördern ebenso die Milz.
    Typische Milzpflanzen sind: Grindelia und Pflanzen aus den Farnen, Flechten und Algen.
  • Die Anwesenheit folgender Spurenelemente ist erforderlich: Kupfer, Mangan, Kobalt, Zink, Molybdän.
    Sind diese unzureichend vorhanden, bringen Eisengaben fast nichts. Oft ist ein Verstopfung die Folge.
  • Den Nierenstoffwechsel mit einbeziehen: Die Neubildung von Erythrozyten wird unter anderem durch das Hormon Erythropoietin (kurz EPO) angeregt. Bei Blutarmut wird dieser Botenstoff in der Niere freigesetzt und führt im Knochenmark zu einer verstärkten Bildung von roten Blutkörperchen. Bei eingeschränkter Nierenleistung wird dieses Hormon nicht mehr ausreichend gebildet.
    Nierenstoffwechsel anregend: Löwenzahn, Liebstöckel, Wacholder am stärksten (diesen nicht bei einer Nierenentzündung, sprich Glomerulonephritis, verabreichen).

Aus aufgezählten Komponenten wählt sich der Fachmann passendes aus. Ein Teil der Kräuterrezeption (Kombination mehrerer Pflanzen) sollte immer die akute Symptomatik berücksichtigen und auch den konstitutionellen Zusammenhang mit einbeziehen.

Kontraindizierende Pflanzen:

Gerbstoffhaltige Pflanzen bremsen die Eisenresorption: zB. schwarzer Tee, Kaffee und andere gerbstoffhaltige Tees.

Anämie aus ayurvedischer Sicht:

In dem ca. 2500 Jahre altem ayurvedischen Lehrbuch „Charaka-Samhita“ wird die Ursache der Anämie wie folgt erläutert: Aufgrund eines geschwächten Agni (Verdauungsfeuer) wird vermehrt Ama (unverdautes) produziert. Das führt dazu, dass Rasa Dhatu (Plasmagewebe) nicht gut ernährt wird und dann wiederum wird das Rakta Dhatu (Blutgewebe) nicht gut ernährt.  Das angesprochene Verdauungsfeuer (Agni) ist mit der in diesem Artikel viel erwähnten Salzsäuren Bildung gleichzusetzen. Im Ayurvedischen wird es Jathara Agni genannt. Es ist einer der 40 Hauptarten des Agni und für unsere Gesundheit von zentraler Bedeutung.


Zusammenfassung:

Wenn wir ein bisschen weiter als auf die bloßen Laborzahlen schauen, stoßen wir auch bei diesem Thema auf komplexe Zusammenhänge, die näher betrachtet Staunen und Bewunderung hervorrufen können. Die Komplexibilität sollte uns nicht erschrecken, denn wir können dieser mit einfachsten Pflanzen begegnen. Pflanzen an deren wir fast täglich, sollten wir nicht nur am Computer sitzen, vorbeilaufen und auch häufig auf sie ungeachtet drauf treten. Frau Brennessel und Herr Löwenzahn lassen grüßen. Da der Eisenmangel in den meisten Fällen nichts mit zu wenig Eisen zu tun hat, ist es kontraindiziert solches zu verabreichen, denn dieses bringt den Organismus nur noch mehr in Schwierigkeiten. Wenn sie sich eine besser auf sie abgestimmte Kräuter Mischung wünschen als die Brennessel-Löwenzahn Kombi, die ihre Individualität und weitere Beschwerden berücksichtigt sowie die Jahreszeit, dann suchen sie am besten einen Heilpraktiker auf.

Drei Voraussetzungen sollte er erfüllen:

  • gute Kenntnis der erwähnten Feld Wald Wiesen Pflanzen.
  • Kenntnisse von den erläuterten Zusammenhängen des Eisenstoffwechsels.
  • Einen Blick für das Individuum.

Diese drei Voraussetzungen als Heilpraktiker innezuhaben, sind wahrlich kein Hexenwerk, sondern einfachstes, solides Handwerk. Wohin gegen die Gabe von Eisentabletten, ohne den geringsten Blick auf einen Zusammenhang, noch ausreichender Diagnostik, wahrlich stümperhaft ist.

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