Tee ist nicht gleich Tee

Der wässrige Auszug von Heilkräutern zu Heilzwecken wird auch oft als Teetherapie bezeichnet. Dies führt leicht zu einem fälschlichen Bild dieser Form der Kräutergabe ersten Ranges.

wässriger AuszugIm Volksmund versteht man als Tee ein Genußmittel und nicht eine Medizin. Genau genommen stammt der Tee vom Teestrauch (Tea senensis) aus China ab. Im weiteren Sinne werden heute verschiedenste Kräutermischungen als Tee bezeichnet, die abgepackt in Teebeutel meist aus dem Supermarkt bezogen werden. Dieser Artikel soll den wässrigen Auszug von Kräutern näher unter die Lupe nehmen und den großen Unterschied zum “Genussmittel Tee” verdeutlichen.

Die Anfänge des wässrigen Auszuges

Der Mensch machte sich das Feuer zu nutzen, und es verschaffte ihm neue Möglichkeiten im Leben. Er konnte mit dem Feuer die Speisen verdaulicher machen und das Spektrum an Essbarem vergrößern. Ebenso konnte er größere Mahlzeiten zu sich nehmen und brauchte somit nicht ständig auf Nahrungssuche sein. Dadurch hatte er mehr Zeit für andere Tätigkeiten. Mit dem Erhitzen des Wassers war es ihm auch möglich die Inhaltsstoffe der Kräuter und Wurzeln viel besser auszuziehen, und somit stand ihm ein ein größeres Spektrum heilkräftiger Stoffe zur Verfügung. Seit dieser Zeit war der wässrige Auszug von Kräutern für die Menschen das wichtigste Therapeutikum überhaupt.

Synthetische Medizin

Mit der Errungenschaft der synthetischen Wirkstoffe, verloren die Kräuter Therapeutika an Bedeutung. Bis etwa 1930 gab es in den Deutschen Krankenhäusern sogenannte Teeküchen. Besonders für Leber – und Nierenerkrankungen wurden dort Kräutermischungen zubereitet. Schließlich wurden diese Einrichtungen in den Krankenhäusern gänzlich gestrichen, so dass lange Zeit kaum ein Heilkundler diese Heilkunst ausübte. Die rasante Entwicklung und die damit verbundenen Erfolge der Medizin ist in vielen Bereichen von jedem von uns sehr leicht zu beobachten. Nur bezüglich chronischer Erkrankungen wie zB Rheuma, Schuppenflechte, Neurodermitis, chronische Kopfschmerzen, usw. scheint die Zeit still zu stehen. Und genau dort liegt die therapeutische Stärke der Pflanzentherapie.

Wie ist das zu erklären?

Die Beantwortung warum die Schulmedizin sich nicht in der Heilung bzw. Linderung jener Erkrankungen weiterentwickelt hat, muss logischerweise eng verknüpft sein mit der Erklärung der Wirkungsweise von Heilpflanzen auf unseren Organismus. Vorweg muss aber gesagt werden, dass wir bis heute viele Vorgänge im Organismus nur erahnen können. Wir haben viele Modelle aufgestellt, die die Vorgänge im Organismus veranschaulichen sollen. Bis vor kurzem konnten wir jedoch nicht in die lebendigen Abläufe eines lebendigen Gewebes hineinschauen. Somit können folgende Erklärungen nur Andeutungen bzw. Denkansätze sein.

Komplexe Zusammenhänge

Chronische Erkrankungen kommen nicht von gestern auf heute wie ein Schnupfen. Es ist ein komplexes Geschehen und die Umstimmung dessen zur Gesundung kann nur durch eine komplexe Vorgehensweise erfolgen. Die Gabe eines synthetischen Einzelstoffes kann nicht in diese Komplexität eindringen. “Gesundheit” ist ein sensibles Gleichgewicht. Eine Einzelstoff Gabe verdrängt und schafft immer ein Ungleichgewicht. Pflanzen jedoch können in verschiedene Richtungen wirken. Das komplexe Zusammenwirken von Stoffen finden wir in jedem Lebewesen und in der Gesamtheit der Natur. So wissen wir heute, dass Pflanzen im Verbund mit anderen Pflanzen das Biotop steuern. Einen Einzelstoff wie zB. das Vit. C bringt die Natur nicht hervor. Es gibt keinen Vit. C – oder Penicillinbaum. Alles liegt in Komplexen vor. Mit der Gabe von einer Kräuterkomposition bietet man dem Organismus die Freiheit selbst zu wählen welche Stoffe er aufnimmt, welche er ausscheidet und was er zu höheren Stoffen wie Hormone umbaut. Genau wie die Pflanzen gemeinsam auf das Biotop wirken sind sie ebenfalls zusammen potenter in der Wirkung auf unseren Organismus.

Gesetz der Selbstregulation

Rudolf Ludwig Karl Virchow der berühmte deutsche Arzt in der Berliner Charité beschrieb es folgendermaßen:
„Selbstregulation ist elementares Grundprinzip der Natur und jeglichen Lebens“.
Demnach sollte man der Natur und im Falle eines Patienten dem Organismus nur Hilfe zur Selbstorganisation geben. Es ist klar, dass damit nicht ein akuter Fall wie zB ein akuter Darmverschluss gemeint ist, sondern wir beschäftigen uns nach wie vor mit der Therapie von chronischen Erkrankungen.

Wie können wir nötige Hilfe zur Selbstregulation bieten?

Mein Heilpflanzen Lehrer Klaus Krämer beschreibt es gerne bildhaft wie folgt:

„Die Pflanzen haben uralte Verträge mit den Kräften der Natur. Dh. das höher entwickelte System wird bevorzugt. Sie sind schon Milliarden von Jahren vor uns auf der Erde gewesen und haben die nötigen Strategien entwickelt unter extremsten Bedingungen zu überleben.“

Dieses innewohnende Wissen der pflanzlichen Lebewesen können wir uns zu Nutze machen.

Synthetische Mittel sind Neuland für den Organismus

Ein anderer Punkt für die Erfolglosigkeit der chemischen Mittel bei chronischen Erkrankungen scheint zu sein, dass der menschliche Organismus sie erst seit sehr kurzer Zeit kennt. Unsere Haupt Entgiftungsorgane können mit ihnen nicht umgehen. Die Chemie belastet die Nieren und die Leber. Die Leber, unsere große Chemiefabrik, kann ein chemisches Mittel nicht verwerten, indem sie es zu anderen Stoffen umbaut. Therapiere wir also diese Organe mit synthetischen Mitteln, belasten wir jene gleichzeitig. Sollte es der Fall sein, dass die Ursache einiger Krankheiten das Blockieren der Systeme durch Gifte ist, wie einige berühmte Heilkundige behaupteten, kann dies aus genanntem Grunde nicht durch synthetische Mittel geschehen. Besonders in der Nieren – und Lebertherapie haben pflanzlichen Mittel ihre Stärke bzw. die chemischen Mittel ihre Schwäche. Und das wussten die Ärzte in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhundert noch. Wie eng die Pharmaindustrie schon mit den Universitäten zusammenarbeiten aufgrund ihrer finanziellen Förderung ist bekannt und dass solche Themengebiete nicht mehr von Interesse sind, versteht sich von selbst.

Jetzt aber zur Rolle des Wassers.

Das Wasser ist das beste Medium für den Stofftransport in uns. Wir selbst bestehen etwa zu 70 % aus Wasser und können die in Wasser gelösten Stoffe am besten aufnehmen. Das Wasser wiederum ist das Medium, was das größte Spektrum von Stoffen aufnehmen kann. So sind Elektrolyte, Mineralien, Kieselsäure, Gerbstoffe., Saponine (Seifenstoffe), Farbstoffe im Wasser besser löslich als im Alkohol. Einzig die Fettsäuren sind im Wasser nicht löslich. Über die Zugabe von saponinhaltigen Pflanzen (seifenstoffhaltige) kann man sie jedoch zum Teil in die Mischung ausziehen. Der wässrige Auszug (Kräutertee) hat das breiteste Wirkungsspektrum und das ist wissenschaftlich belegt. Insofern ist es das Therapeutikum ersten Ranges. Es bedarf keinerlei Zusatzstoffe wie eine Tablette.

Verdauungstrakt – Schlüssel zur Gesundheit

Schon Paracelsus sagte, “Der Tod liegt im Darm” Es war nicht nur Paracelsus, der dem Verdauungstrakt so eine entscheidende Rolle für die Gesundheit zukommen ließ. Die Ayurvedische -, Chinesische – und Tibetische Medizin sehen ebenso in diesem den Schlüssel zur Gesundung. Eine erfolgreiche Therapie einer chronischen – sprich alten Erkrankung funktioniert nur unter Einbeziehung der Therapie des Verdauungstraktes. Die Wissenschaft hat längst diesem Standpunkt dieser alt bewährten Medizinsyteme auf ihre Art beigepflichtet. Worte wie Bauchhirn, das ein entsprechendes Nervengeflecht aufweist wie das unseres Gehirnes, verdeutlichen die Bedeutung des Darmes. Das sogenannte Glückshormon “Serotonin” wird hauptsächlich im Darm gebildet und verdeutlicht überdies den Zusammenhang zur Gemütslage des Menschen.

Vom Mund bis zum …

Und genau diesen natürlichen Weg nimmt die “Teetherapie”. Einen Weg, den unsere Nahrung seit Menschen Gedenken nimmt. Dieser ist dem entsprechend lange erprobt. Nichts ist dem Zufall überlassen. Keine Begegnungen ohne Bedeutung und Auswirkung. Das fängt schon im Mund an, wo der wässrige Kräuterauszug die Munddrüsen zur sportlichen Aktivität aufruft und über die weitere Reise dieses potenten Gemisches können trotz unseres schemenhaften Wissens ganze Bücher geschrieben werden.

Patient wird zum eigenen Therapeuten

Zu guter Letzt sei noch eine Besonderheit der “Teetherapie” erwähnt: Der Patient stellt seine eigene Arzneiform her – den wässrigen Kräuterauszug zu Heilzwecken. Er wird somit zu seinem eigenen Therapeuten. Während der Zubereitung befasst er sich bewusst oder unbewusst mit seinem Wohlergehen. Wozu ein “Einschmeißen einer Pille” wohl kaum zu inspirieren vermag. Schwächt doch der Stress den Organismus und besonders die Verdauungskraft, so bekommt er durch dieses Ritual der Zubereitung eine Hilfestellung die alltägliche Hetze zu verabschieden und Ruhe einkehren zu lassen. Dies ist dem Verdauungstrakt sehr zuträglich, und er beschenkt Betreffenden mit einem guten Appetit und mit einer Verdauung, die ohne großes Ruckeln und Schaukeln vonstatten geht.

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