Interview über Ayurveda

Ein Interview zwischen der Zieten Apotheke in Berlin mit Peter Koch, als Experten der ayurvedischen Heilkunst.

Was hast Du bisher gemacht im Bereich Ayurveda? Welche Expertise hast Du Dir auf welche Weise erworben?

Ich arbeite seit 14 Jahren als Heilpraktiker in meiner Praxis. Gelernt habe ich Phytotherapie. Nach meiner Ausbildung bin ich jährlich 12 Jahren lang zu einer Ayurveda Klink nach Indien gereist, um  dort alles über die ayurvedische Therapie zu lernen.

Wie bist Du zu Ayurveda gekommen? Was fasziniert Dich besonders?

Trotz meiner Begeisterung für die westliche Pflanzenheilkunde, habe ich nach einem ganzheitlichen System gesucht, um die Patienten besser zu behandeln. Ganzheitlich ist die Phytotherapie natürlich auch, aber bei ihr muss man sich vieles selbst erarbeiten. In den Büchern steht, die Pflanze ist für dies und jenes aber die Wirkungsweise ist nicht in ein System eingebettet. Solche Systeme wie die Säftelehre, die Paraselsus zur Grundlage hatte, sind verloren gegangen. Im ayurvedischen ist man als Therapeut in Jahrtausend alte Erfahrung eingebettet, alles is sinnig auf einander aufgebaut und mit einander verbunden. Ich habe eine andere Denkensweise gesucht. Eine die weiträumiger blickt und sich nicht im Detail verliert. Hier fehlt Kalzium, dort müssen wir auf die Zellmembran mehr einwirken, dieses Enzym ist zu wenig, …

Bitte erkläre Ayurveda in einem ganz kurzen Satz…

Ist eine medizinische Wissenschaft, die versucht den Menschen zu heilen, Gesundheit zu bewahren, vorzubeugen und dazu verhelfen soll, eine langes, gesundes und glückliches Leben zu haben.

Welche Philosophie steht dahinter? Welches Menschenbild liegt Ayurveda zugrunde?

Grundlage der ayurvedischen Wissenschaft ist die vedische Philosophie, die ca. 3000 Jahre zurückliegt. Die ayurvedische Therapie möchte nicht einfach nur die Krankheit beseitigen, sondern den Prozess, der dahinter steht, transformieren. Darüber hinaus möchte es, dass wir unser Potential leben und glücklich sind. Dies mag schwer sein, wenn zB. das Feuer Element in mir im Übermass tobt und Entzündungen entfacht, die mir Schmerzen bereiten. Ayurveda betrachtet das Zusammenspiel aller Elemente und versucht zu einer Balance zu verhelfen.
Das ayurvedische Menschbild ist universell. Als ayurvedischer Therapeut interessiert mich mehr was über Kultur und Philosophie hinausgeht und uns Menschen allen gemeinsam ist. Die allumfassende Fürsoge von Mensch zu Mensch ist das was mich am meisten angesprochen und berührt hat, als ich auf Ayurveda stieß.

Worauf kommt es bei Ayurveda besonders an?

Es kommt auf ein gut ausbalanciertes Verdauungsfeuer an. Darauf wird die größte Priorität gelegt. Entgiftet man den Organismus von Schlackstoffen und Toxinen, wird das Feuer automatisch erhöht. Umgekehrt wiederum entfernt ein verbessertes Verdauungsfeuer die Schlackstoffe. Durch die Erhöhung des einen und die Erniedrigung des anderen, werden die verschiedenen Gewebearten, wie Muskel-, Nerven-, Knochengewebe, gereinigt. Nach einem solchen Prozess, geht es um die Nährung dieser Gewebe. Diese letzte Phase wird als Verjüngungsphase bezeichnet, und es werden bestimmte aufbauende, „verjüngende“ Heilkräuter gegeben. Solche Worte wie „Verjüngung“ werden meist aus dem Zusammenhang gerissen. Letztlich bietet Ayurveda ein ausgeklügeltes System, wo alles seinen Platz hat. Jeder der Schritte wird individuell abgestimmt. Die Pulsdiagnose ist ein äußerst wertvolles Werkzeug für den Therapeuten, um zu erkennen, wo der einzelne Patient steht und wie es weitergehen soll.

Was ist die einmalige Chance von Ayurveda, die andere Therapieformen nicht bieten? Wo liegt Deiner Meinung nach die Herausforderung, wo die Grenzen?

Jede Therapieform hat so seine Schwerpunkte und Stärken. Aber keine der bekannten Therapieformen hat so ein ausgeklügeltes Entgiftungssystem wie Ayurveda. Die Herausforderung liegt darin, den Patienten zur Eigenverantwortung zu motivieren. Er oder Sie geht den Weg selbst. Es gibt nicht die Wundertablette, das Wunderkraut und auch Ayurveda macht nicht „simsalabim, du bist geheilt“. Es ist ein Weg, und der wichtigste und entscheidendste Arzt wohnt jedem inne.

Warum ist Ayurveda heutzutage besonders gefragt? Siehst Du einen Trend?

Viele Menschen merken wahrscheinlich, dass sie in vielen Einrichtungen nur als eine Nummer registriert werden und abgefertigt werden. Sie wünschen sich als Mensch wahrgenommen zu werden. Diesen Aspekt sehen sie in einer ayurvedischen Therapie.  Es gibt aber auch Patienten, die zu mir in die ayurvedische Praxis kommen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie die Erfüllung ihrer Sehnsucht nach inneren Frieden auf Ayurveda bzw. noch besser, auf den fernen Osten projizieren. Das mag ein Trend sein, aber ich werde nicht in die Hände klatschen und sagen, „ ja, hinter den Hügeln sind die Wiesen grüner“. Da sind wir wieder bei der Eigenverantwortung.

Wie gut kann man sich als Laie ins Thema einarbeiten und selbst behandeln? Wo siehst Du hier Gefahren?

Der Zugang zu Ayurveda ist erst einmal sehr einfach. Es ist leicht zu verstehen und kann jedem sehr nützlich sein. Man kann ein besseres Verständnis erlagen, was für einen selbst zu bestimmten Zeiten gut ist. Ayurveda legt zB. sehr viel Wert auf eine gesund bringende oder – erhaltende Ernährungsweise. Wir essen jeden Tag und damit kann sich jeder auf ein leichtes selbst beschäftigen und genüßlich behandeln. Da ist erstmal nichts gefährliches.

Was rätst Du Menschen, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten? Welche Literatur?

Selbst, wenn man das Glück hat einen persönlichen Austausch mit einem Ayurveda Kundigen zu haben, finde ich es gut, ein Buch über die Grundlagen Ayurvedas zu lesen. Solche Bücher sind in der Regel einfach zu lesen, und man erkennt den systematischen Aufbau dieser Wissenschaft besser. Viele Gerichte und alltägliche Ratschläge kann man auch gleich ausprobieren. Toll ist es natürlich mit gleichgesinnten zusammenzukommen, und sich auszutauschen. Dann wird es lebendiger und macht mehr Spass.
Dieses Buch finde ich sehr schön für den Anfang (ist nur im englischen erhältlich): „AYURVEDA AND PANCHAKARMA: The Science of Healing and Rejuvenation“ von Sunil V.Joshi. Ansonsten gibt es viele Bücher von Vasant Lad, der ein berühmter ayurveda Arzt ist und die Gabe hat, die Brücke zu unserer westlichen Denkensart zu bilden.

Möchtest Du etwas ergänzen?

Die vedische Kultur und die indischen Heilkräuter sind hoch interessant. Die deinige nicht minder und unsere „Unkräuter“ tragen ebenso einen Heiligenschein, wenn man richtig hinzuschauen weiß. Soll heißen, dass wir unsere Kultur, unsere Natur und Heilkräuter nicht unter dem Scheffel stellen sollten.

Ayurveda verhilft dem Interessierten seine Stärken und Schwächen besser zu verstehen und zu wissen, was einem gut tut. Somit ist es leichter eigenverantwortlich und klüger zu agieren. Für mich ist es sinnig und macht auch Spass, dieses ayurvedische Wissen auf die regionalen Begebenheiten zu übertragen, in denen du lebst.

 

 

 

 

 

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